Speicherfähige Masse

Speicherfähige Masse - ja oder nein?

Ein wohl viel und sehr kontroversiell diskutiertes Thema. Im allgemeinen wird davon ausgegangen, daß speicherfähige Bauteile Temperaturspitzen ausgleichen. 

Winter
Im Winter findet bei Tag eine Erwärmung durch Sonneneinstrahlung hauptsächlich durch die Fenster statt, welche durch Speicherung in massiven Bauteilen die Nachtkühle abschwächt. Speicherfähige Massen bewirken im Tag-Nacht-Zyklus durch die Phasenverschiebung einen gewissen Temperaturausgleich in Form von konstanteren Innentemperaturen. Diese Argumentation stammt noch aus der Zeit unzureichend gedämmter Häuser mit hohen Energieverbrauch wo man noch Stoßlüften betrieb und hoffte, daß durch die speicherfähige Masse die Wohnung nicht komplett auskühlt, bzw. sich die Raumluft nach dem Schließen der Fenster wieder rasch erwärmt.

Bei excellent gedämmten Gebäuden verliert die speicherfähige Masse ihre Bedeutung, bzw. ist sogar kontraproduktiv. Niedrigstenergie- und Passivhäuser können im wesentlichen durch die internen Wärmegewinne in Verbindung mit einer Komfortlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Wärmepumpe beheizt werden - eine durchaus gängige Lösung. Im Regelfall und bei wenig speicherfähiger Masse im Haus reicht eine solche Heizung problemlos aus, um angenehme Temperaturen im Haus zu erreichen. Zuviel speicherfähige Masse entzieht, solange sie selbst kühler ist, der Raumluft die nötige Wärme. Die Zeitspanne, bis das Haus erwärmt ist - in der Übergangszeit oder nach urlaubsbedingter Abwesenheit -, verlängert sich mit dem Anteil der speicherfähigen Masse. Je niedriger der Heizwärmebedarf eines Hauses ist, umso weniger speicherfähige Masse sollte es geben. Vorteil: die Innenraumtemperatur läßt sich rasch regeln und den spontanen Temperaturbedürfnissen der Bewohner anpassen.

Sommer
Im Sommer will man die Speichermasse nutzen um tagsüber überschüssige Wärme aufzunehmen und um sie in der Nacht durch großzügige Nachtlüftung wieder los zu werden. Dieser Temperaturausgleich über die Speichermasse funktionert sehr gut, solange die Nächte ausreichend kühl sind, also im Frühsommer und Frühherbst. In den Hitzeperioden des Hochsommers, wenn sich die Speichermasse das Haus während mehrer aufeinanderfolgender Sonnentagen aufheizt, reicht die Nachtkühlung meist nicht mehr aus um die Hitze aus dem Haus zu bekommen. Selbst wenn nach einem Gewitterregen die Außenluft schon abgkühlt ist "steht" die Hitze in der Wohnung. Und diese Hitzeperioden häufen sich. Im Sommer 2008 zeigte das Thermometer im Burgenland 39,5°C. Im Jahr davor kletterte es immerhin auf 34,5°C im Schatten. Auch die Nächte werden wärmer. Bleibt die Temperatur der Außenluft in den Nachtstunden über 20,3°C spricht man von einer tropischen Nacht – und auch diese häufen sich in Österreich. Was im ersten Moment eigentlich nach Erholung und Urlaub klingt, hat allerdings unangenehme Folgen. Bei derart hohen Temperaturen können Wohn- und Arbeitsräume, die sich tagsüber aufgeheizt haben, während der Nacht nicht mehr auskühlen. Deshalb ist es wichtig, durch außenliegende Abschattung der Fenster und durch ausreichende Wärmedämmung der Gebäudehülle die Hitze erst gar nicht in die Häuser hineinzulassen. 

Fazit
Bei weniger Speichermasse heizt die Sonne tagsüber eher nur die Luft im Haus auf. Nachts kann man dann schön lüften - warme Luft raus - frische kühle Luft rein - Haus ist wieder kühler. Bei zuviel Speichermasse im Haus, bekomm man die Wärme nachts nicht raus, da der Speicher die kühle Luft immer wieder aufheizt. Bei einer längeren Schönwetterperiode wird das Haus somit eher überhitzt. Das heist, ist die speicherfähige Masse einmal aufgeheizt, gibt sie die Wärme nur langsam und zeitversetzt ab - meist wird dieses Abkühlen erst in den frühen Morgenstunden spürbar, aber da kommt die Sonne ja schon wieder und beginnt von neuem mit der Erwärmung. Zusammenfassend gibt es energetisch keinen Vorteil. Bei Gebäuden mit excellenter Wärmedämmung, Dreifachverlgasung, außenliegender Abschattung läßt sich die Hitze gut abhalten und mit einer automatischer Wohnraumlüftung die Luftwechselrate optimieren.